29. Juli 2015

Schritt für Schritt [Teil I · Prinzenquelle und Bergpark]

Ich hatte ja gesagt, ich wollte wieder mal was schreiben. Nun gucke ich hier auf meinen Blog und sehe, dass der letzte Eintrag schon wieder Wochen her ist. Statt am Computer zu sitzen, bin ich lieber mit den Hunden durch die Gegend gelaufen. Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer. Vielleicht weil ich wusste, dass ich nun für die nächste Zeit fürs Laufen lahmgelegt bin. Da ich mich entschlossen habe, meinen Fuß unters Messer zu legen (meine erste Schönheits-OP – Hallux Valgus), werde ich den August dazu nutzen, den Stapel ungelesener Bücher in einen Stapel gelesener Bücher zu verwandeln – und das ganz ohne Zauberei, sondern hoffentlich bei schönstem Wetter im Liegestuhl liegend: Seite für Seite, Buch für Buch.
Gestern war es nun soweit, die OP ist geschafft und ich fange mich heute Nachmittag schon ein bisschen an zu langweilen. Bevor ich mich aber meinen Büchern widme, möchte ich von den Spaziergängen und Wanderungen der letzten Wochen berichten. Irgendwann sind wir zum Michelskopf gelaufen und dort habe ich im See mein Handy … versenkt wäre zuviel gesagt … aber zumindest geflutet, sodass es damit an der Zeit war, mir ein neues Gerät zuzulegen. Das habe ich dann ziemlich schnell gemacht und nun bin ich begeistert und zeichne mit Komoot meine Spaziergänge auf. Und dadurch bin ich dazu übergegangen, jeden der Spaziergänge mit ein paar Landschaftsfotos zu dokumentieren. Und nun ist genug gesammelt, um diesen (und noch ein paar mehr) Blogbeiträge zu füllen.

Michelskopfsee
Eine der häufigsten Strecken, die wir gehen, weil es ganz in der Nähe ist, ist zur Prinzenquelle. Ein schönes Freilaufgebiet für die Hunde, an den Bergpark grenzend mit einer Allee mit Bäumen und Beuys-Steinen (documenta – 7000 Eichen), mit Blick zum Herkules.

Die Allee mit den Basaltstelen verbindet den Hermann-Schafft-Weg mit der Ochenallee.
Blick Richtung Kirchditmold
Blick zum Herkules
Hundebegegnungen

In den letzten Wochen habe ich den Bergpark wiederentdeckt. Seit Juni 2013 ist er Teil des UNESCO Natur- und Kulturerbes der Welt und entsprechend gut besucht. Geht man aber in den Abend- oder in den Morgenstunden, sind die Spaziergänge dort sehr ruhig und entspannend. Oben der Herkules unten das Schloss und der Lac und dazwischen Bäume, Wiesen, Wasserfälle, Seen, kleine Kanäle.

Blick oberhalb des Fontänenreservoirs zum Schloss – dahinter die Wilhelmshöher Allee und Kassel Richtung Osten
Teufelsbrücke
Schloss Wilhelmshöhe
Jussow-Tempel
Fontänenreservoir
nackichter Mann
neuer Wasserfall
Weg den neuen Wasserfall hinauf
Merkurtempel verkehrt herum
Merkurtempel
ein älteres Bild aus dem Winter
Blick unterhalb des Herkules Richtung Norden
nackter Mann von hinten
***
wird fortgesetzt


31. Mai 2015

Kleiner Rückblick

Morgenspazier an der Prinzenquelle

... auf die letzten zwei Wochen im Mai. 
Leider diesmal nur Fotos – irgendwann komme ich auch mal wieder dazu, ein paar Worte zu schreiben. Versprochen. :-)

Bald blühen die Margeriten
Osterberg
Weißdorn
Begegnung
Abendspazier auf der Eselswiese
Das Gras wird immer höher
Das Lourdilini ;-)
Margeriten an der Prinzenquelle
Der Taschentuchbaum blüht
In der Schlucht an der Ahne
Nochmal Margeriten
Lieblingsbild
Pusteblumenwiesen am Dörnberg
Eselswiese
Mit Olli an der Prinzenquelle

17. Mai 2015

Nelli und Lourdes – ohne Marek [ Trainingstagebuch – 07 ]

Es sind nun schon 8 Wochen, dass der Sör nicht mehr bei uns ist. Ich werde oft gefragt, was denn »die anderen beiden« dazu sagen, dass Marek nicht mehr da ist –  gemeint sind Nelli und Lourdes.
Getrauert haben sie nicht, damit hatte ich auch nicht gerechnet. Sie haben ganz selbstverständlich die Räume, die entstanden sind, gefüllt. Lourdes ist noch anhänglicher geworden. Und Nelli entspannter.
Vielleicht liegt es bei Nelli auch daran, dass man jetzt die schleichenden Veränderungen, die in den fast anderthalb Jahren, die sie bei uns ist, stattgefunden haben, wahrnimmt. Und die Aufmerksamkeit, die sie nun auf den Spaziergängen bekommt, tut ihr gut.
Gestern habe ich ihr eine Fährte gelegt und ich dachte daran, wie viel ich mit Marek immer gemacht habe: Dummytraining, Futterbeutel suchen, Fährten ... Der große Ehrgeiz ist vorbei, vielleicht, wenn ich irgendwann nochmal mit einem Hund ganz von vorn anfange, dass ich dann auch wieder schaue, was ich ihm alles beibringen kann. »Gib Laut« soll Nelli noch lernen – und richtig apportieren, mehr muss nicht sein.
Und ich bin schon jetzt sehr zufrieden, wie es mit Nelli läuft. Wenn es nicht gerade gewittert oder ein Modellflugzeug umherfliegt. Nelli dann zu halten ist ein Problem. Das macht ihr Angst und sie will nur noch weg, mit aller Kraft – aua, und ich habe gequetschte Finger!
Wir treffen viele Hunde – mit Marek bin ich ja meist allen aus dem Weg gegangen. Jetzt kann ich immer rufen, dass von mir aus der andere Hund frei bleiben kann, wenn ich sehe, dass jemand seinen Hund anleinen will, weil ich Nelli an der (Schlepp-)Leine habe. Großen Trubel brauche ich aber auch weiterhin nicht. Die Prinzessin findet zu viele Hund eher furchteinflößend und trollt sich. Sie hat ihre Vorliebe für kleine Terrier entdeckt. Wenn sie abgecheckt hat, dass ihr nichts passiert, setzt sie ihr Spielgesicht auf und mag dann auch mal ne Runde flitzen. Ansonsten ist ihr nichts so wichtig wie das Mäusesuchen (und -fangen). Das ist und bleibt ihre große Passion. Neben Krähen verjagen. Und bei letzterem hilft ihr Nelli gerne mit. :-)




18. April 2015

Am Blauen See


Vor drei Tagen waren wir am Blauen See. Als ich einen steilen Abhang hochkletterte, sah ich, wie schön der Wald mit dem leichten Grün zwischen den Schluchten und kleinen Wegen und Abhängen aussah. Vor drei Tagen hatte ich keine Zeit zum Fotografieren, also habe ich mich heute Morgen nochmal auf den Weg gemacht. Bei blauem Himmel und Sonnenschein. In den nächsten Tagen wird das wiederholt – dann aber nachmittags, damit die Sonne auf der anderen Seite steht.

Spiegelung im See – bei blauem Himmel ist der See seinem Namen entsprechend blau
Nelli ist den Abhang hochgeklettert – ihre Schleppe ist bei den vielen Bäumen und Geäst etwas hinderlich
Die Prinzessin wartete auf uns
Nelli sieht gut gelaunt aus
Auf dem Rückweg treffen wir Barney
Gestern waren wir mit Diego auf dem Schmugglerpfad

6. April 2015

Etwas war geschehen

Vor einiger Zeit las ich in einem Artikel, dass Trauer – im Gegensatz zur Depression – auch immer etwas mit einem Fest oder einer Feier zu tun hat. Indem man über den Verlust eines Menschen, eines Lebewesens, aber auch einer Sache oder einer Zeit trauert, zeigt man gleichzeitig, wie stark man diesen Menschen, dieses Tier, den Gegenstand oder das Erlebte wertschätzt – mit der Trauer feiert man gleichzeitig das Gewesene.

Ebenfalls vor einiger Zeit, ich glaube, es ist noch keine drei oder vier Wochen her, war ich in dem kleinen Theaterstück Ente, Tod und Tulpe, das auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Wolf Erlbruch basiert. Der Tod begleitet jeden von Anfang an. Erst sieht man ihn nicht, irgendwann kommt das erste Erkennen, dass er neben einem geht, ein ständiger Begleiter ist. Wenn man jung ist, fordert man ihn manchmal heraus, weil man sich stark fühlt. Wenn man älter wird, möchte man in seinem Leben noch etwas anderes machen, als das, was man immer gemacht hat: die Zeit, die einem im Leben noch bleibt, nutzen, als könne man sie dadurch aufhalten. Und dann kommt der Tag, an dem der Tod auch ein Trost sein kann.

»Zarter Schnee schwebte in der Luft. Etwas war geschehen.
Der Tod schaute die Ente an. Sie atmete nicht mehr. Sie lag ganz still.«

Ebenfalls von Wolf Erlbruch in dem Buch Die große Frage (nämlich die nach dem Sinn des Lebens) steht auf einer Seite:

Sagt der Tod: 
»Du bist auf der Welt, um das Leben zu lieben.«

und auf einer anderen:

Sagt der Hund:
»Ich glaube, man ist zum Bellen auf der Welt – und zeitweise, um den Mond anzuheulen«

Mark Rowlands schreibt in seinem Buch Der Philosoph und der Wolf:
Die Zeit der Wölfe ist, wie ich vermute, ein Kreis, keine Linie. Jeder Moment ihres Lebens ist in sich vollständig. Und Glück liegt für sie in der ewigen Wiederkunft des Gleichen. Wenn die Zeit ein Kreis ist, gibt es kein Nimmermehr. Und dementsprechend ist die Existenz nicht auf die Vision des Lebens als Abwicklung von Verlust ausgerichtet. Die Regelmäßigkeit und Wiederholung, die unser Leben in Brenins letztem Jahr kennzeichneten, ermöglichteten mir einen flüchtigen und verschwommenen Blick auf die ewige Wiederkunft des Gleichen. Und wo kein Gefühl des Nimmermehr ist, fehlt auch ein Gefühl des Verlustes. Für einen Wolf oder Hund ist der Tod wirklich das Ende eines Lebens. Und aus diesem Grund hat der Tod keine Macht über sie. Das bedeutet es, wie ich glaube, ein Wolf oder Hund zu sein.
 * * *

Ich bin kein Hund oder Wolf, für mich gibt es ein Nimmermehr. Ich gehe einen Weg und denke: Als ich ihn das letzte Mal ging, war Marek noch dabei. Ich werde noch viele Wege in den nächsten Wochen und Monaten ablaufen müssen, damit es keinen Weg mehr gibt, bei dem ich das noch denke. Und ich werde die Jahreszeiten durchleben müssen, und mit ihnen diese Gedanken: Als das letzte Mal der Löwenzahn blühte, bin ich mit Marek über diese Wiese gelaufen. Am letzten Neujahrstag war er mit dabei, als wir zum Dörnberg gingen. Jedesmal fehlt er mir und jedesmal feiere ich ihn, weil er so lange bei mir war. Wir sind bestimmt über 30.000 Kilometer zusammen gelaufen. Da dürfen (oder müssen?!) die ersten Kilometer ohne ihn schmerzhaft sein – und die Gedanken an die gewesene Zeit.

[ Das Foto oben stammt aus dem ersten Winter, an dem Lourdes zu uns kam – Januar oder Februar 2010. ]