16. Oktober 2013

Wenn das Essen vom Himmel fällt ...




Birnenkonfitüre mit Geduld
 
Man pflanze einen Birnenbaum und warte ...
50 Jahre später hängen die Früchte so hoch, dass man nicht mehr drankommt. Also warten – ein paar Tage oder Wochen –, denn dank Wind, Regen und der Schwerkraft liegen sie nach und nach am Boden. Einsammeln, schälen und in kleine Stücke schneiden bis 1 kg zusammen sind.
Mit einer Stange Zimt, 5 Nelken, einem Stück Vanillestange, dem Saft und der abgeriebenen Schale einer Zitrone und 1 kg Gelierzucker in einer Schale vermischen und dann wieder warten: 24 Stunden, bis sie Saft gezogen haben. In einem Topf aufkochen – 4 Minuten lang – Vanille, Zimt und Nelken entfernen. Heiß in saubere Gläser füllen und gut verschließen. Nochmal warten bis die Konfitüre abgekühlt ist, ein paar Stunden oder über Nacht – oder wenn man Glück hat und es nicht mehr ganz für ein Glas gereicht hat und ein Rest in einem Extra-Schüsselchen verweilt auch schon früher: und dann probieren, auf frischem Brot oder – wenn man nicht mehr warten will – einfach einen Löffel schon mal vorab.





14. Oktober 2013

3/30*




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Warum ich schreibe?
Das war nicht vorgesehen. Es hätte nie passieren brauchen. Man lebt nicht alle Leben, die man leben könnte. Es passierte. Nichts läßt sich je rückgängig machen. Es ist mein zweites Leben, alle lächeln, wenn sie es hören, als sei es eine Metapher. Wenn sie meine Photos sehen, werden sie sofort ernst. Weil ich zwei Menschen bin. Der vorher, und der seitdem.
Ich hatte mir nichts vorgenommen, es passierte, wie wenn einer überfahren wird. Oder wie Liebe. Man handelt nicht, es passiert.
„Ich habe ein Gedicht geschrieben“, sagte ich zu ihm. Morgens vielleicht. Vermutlich morgens. „Du schreibst keine Gedichte“, sagte er mißbilligend. „Bis gestern“, sagte ich vorsichtig. „Wie wenn die Katze plötzlich zu reden begänne“, sagte er. „So leicht ist das also“, sagte er empört, als er nach vielem Sträuben es sich angesehen hatte. „Wieso?“ sagte ich. „Was ist leicht?“ „Gedichte schreiben“, sagte er. „Du hast es nie getan. Es ist ein Gedicht.“ Damit knallte er die Tür hinter sich zu. Als ich die Tür knallen hörte, wußte ich, daß es ein Gedicht war.
 
[ Ich schreibe, weil ich schreibe (Warum einer tut, was er tut) | Hilde Domin ]
 
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2. September 2013

2/30*



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Wir könnten uns den Namen der jeweils anderen auf den Arm tätowieren lassen. Wir könnten die Sprache der Delphine lernen. Wir könnten unsere Botschaft in die Welt hinaustragen. Wir könnten Pinguine dressieren. Wir könnten in Hafenspelunken herumlungern. Wir könnten ein Sportabzeichen machen. Wir könnten eine Unterwäsche-Kollektion entwerfen. Wir könnten uns das alles noch einmal überlegen. Wir könnten ganz von vorn anfangen. Oder zur Abwechslung auch einmal von hinten anfangen. Wir könnten das Verhalten von Panzernashörnern beobachten. Wir könnten uns an der Börse notieren lassen. Wir könnten eine aufsehenerregende Krankheit simulieren. Wir könnten ein Land entdecken. Wir könnten so weitermachen wie bisher, fast genau so weiter wie bisher, denn vielleicht sind das auch Ausreden, vielleicht finde ich nichts, weil ich nichts finden möchte, weil es wieder nicht durchgehalten wird, weil wir uns übernommen haben, weil dann doch zurückgeschreckt wird, in letzter Sekunde oder sogar noch davor, und die Tage hier nicht reichten, um das zu zeigen. Es versickerte schnell, auch wenn ich mich dagegen wehrte, zu schnell, um sich selbst noch leichtfertig zu glauben, um noch irgendetwas überzeugt vorbringen zu können beim Frühstück, und jetzt gilt es, sich wieder einzugestehen, wieder ein Abfinden als Ehrlichkeit auszugeben, weil doch alles andere, machen wir uns nichts vor, verlogen wäre, auf keinen Fall von Dauer wäre. Ich bin müde, machen wir uns nichts vor, ich habe es immerhin versucht, machen wir uns nichts vor, es war eigensinnig und vermessen und, machen wir uns nichts vor, reichlich trostlos. Wir könnten in Kontakt bleiben. Wir könnten in regelmäßigen Abständen telefonieren. Wir könnten gemeinsame Kurzurlaube planen. Wir könnten uns auf dem Laufenden halten. Wir könnten uns bemühen.
 
[ Wir bleiben in der Nähe | Till Rammstedt ]
 
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1. September 2013

1/30*



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Eine Woche später kam die erste Karte. Es war ein Foto der Dorfkirche von Canitz, auf der Rückseite stand:
Das Dach ist dicht. Das Kind putzt sich die Nase, spricht nicht, ist immer da. Auf die Sonne ist Verlaß, ich rauche, wenn sie geht, ich habe was gepflanzt, das kannst du essen. Den Efeu schneid ich, wenn du kommst, du weißt, du hast die Schlüssel immer noch.
Danach kamen regelmäßig Karten, ich wartete, wenn sie einen Tag ausblieben, war ich enttäuscht. Es waren immer Fotos der Kirche und immer vier oder fünf Sätze, wie kleine Rätsel, manchmal schön, manchmal unverständlich. Stein schrieb oft ... wenn du kommst. Er schrieb nicht: »Komm«. Ich beschloß, auf das »Komm« zu warten, und dann loszufahren.
 
[ Sommerhaus, später | Judith Hermann ]
 
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* 30 x ein Foto, ein Buch, eine Skizze

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20. August 2013

Brombeerzeit

Sometimes you eat the bear and sometimes the bear, well, he eats you.
[ The Big Lebowski ]
 
Beeren und Bären (die reinlichen) gibt es bei uns reichlich. Und wenn die einen von den anderen etwas übrig lassen, reicht die Ernte aus, um für den Winter vorzusorgen. Die abgeernteten Felder lassen schon den Herbst erahnen und mit einer leichten Melancholie denkt man daran, dass das Ende des Sommers nicht mehr weit ist. Aber noch ist es nicht soweit – genießt das Licht, die Sonne und die hellen Tage – und die frisch gekochte Marmelade! 

Die Beeren sind erlegt. Das Handtuch zeigt Spuren von der Schlacht.
Gleich mal probieren.
Ein Glas wird gleich verschenkt, zwei kommen in den Vorratsschrank. 
Auch der Schmetterling bedient sich im Garten.
Auf den Feldern sieht es herbstlich aus.
Schafe von vorn ...
... und von hinten. Ein Ausflug mit K. nach Wiershausen.
Der Sir ist guter Dinge
Wenn Marek mit dabei ist, dann möchte Lourdes das auch und lukt schon mal ins Bild.
Prinzessin mit aufmerksamen Stehohren